Vita von Prof. Jörg Immendorff


1945
in Bleckede/Lüneburg (Bundesrepublik Deutschland), 1945 geboren

1963-1966
Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
u.a. bei Joseph Beuys

1972
documenta 5

1976/1977
Begegnungen mit A.R. Penck in Ostberlin, Beginn der Serie Café Deutschland

1982
documenta 7

1984-1985
Lehrtätigkeit an der Werkschule Köln und der Akademie der Bildenden Künste München

1989-1990
Professur an der Städelschule in Frankfurt am Main

seit 1996
Professor an Kunstakademie Düsseldorf

1998
Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

 

Prof. Jörg Immendorff lebt und arbeitet in Düsseldorf. Er ist einer der bekanntesten modernen Künstler in der internationalen Szene und wohl einer der wichtigsten deutschen Maler dieser Zeit, ist einer der Kunstmacher, die sich mit dem was passiert auf persönlichste Art und Weise auseinandersetzen. Das malerische Naturtalent erhielt an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Theo Otto und vor allem Joseph Beuys akademischen Schliff. Das zentrale Thema seiner farbigen Agitprop-Malerei machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

In scheinbar paradoxen Bildern und Selbstdarstellungen komponiert er seine Farben zu energischen Malereien. Der Affe als Wappentier des Künstlers taucht in allen Größen und Posen in seiner Kunst auf. Hier erscheint er als dreidimensionale Figur, wie ein Mensch, in Alltagssituationen festgehalten:
Man sieht einen Affen mit der Elbquelle, die Immendorff bereits zuvor als eigenständige Plastik und auch in vielen Gemälden festhielt, einen Affen mit Malerpalette, mit Lokomotive, mit kleinem Maleraffen auf dem Rücken, der einen Pinsel hält, mit Affenkind bei den ersten Gehversuchen, mit Felsbrocken auf den Schultern, der wie von Sisyphos mühsam bergauf getragen wird, mit einem Vogel spielend, Zeitung lesend, Kartoffeln sammelnd, mit Krücken auf Kugeln gehend wie Immendorffs "Europa", mit Pferdekopf auf den Schultern, mit zeigendem Finger, laufend, mit einem Weinglas, das er hinter dem Rücken versteckt hält oder zwei Augen, wie man sie häufig in Immendorffs Gemälden finden kann, haltend, die der Affe als Fernglas zu benutzen scheint und sozusagen die Welt mit anderen Augen betrachtet.
Der Affe, der für Immendorff gleichzeitig Selbstironie und Mahnendes verkörpert, steht für den Menschen, der sich selbst nicht so ernst nehmen soll und übernimmt eine Art Spiegelbild des Malers.
Der Affe ist dem Künstler Freund und Feind (Kritiker) zugleich (Gemäldetitel: "Der Malerfeind im Maler ist sein bester Freund"). Immendorff stellt den Affen häufig als Maler dar, womit ausgedrückt wird, dass im Maler selbst ein Affe wohnt, ein ungebändigtes Tier, das den Maler als Genie mit seiner Unberechenbarkeit und schöpferischen Potenz überrascht. Gleichzeitig fungiert der Affe als Gesellschaftskritiker, dem man als witzigem Clown Schabernacke erlaubt und der lächerlich machen kann, wodurch manchmal einzelne Züge einer Sache deutlicher werden, als sie sonst sind.
Der Affe spielt als Partner des Künstlers Immendorff eine große Rolle. In der Natur ist er dem Menschen als Geschöpf am ähnlichsten. Er verkörpert Neugier, Sinnlichkeit und Triebhaftigkeit, symbolisiert das Ungezügelte des Menschen und trägt im Gegensatz zu diesem keine Kleidung. Das Animalische galt in der religiösen Vorstellung des Mittelalters als sündhaft, daher wurde der Affe mit dem Teufel gleichgesetzt.
Für Immendorff sind Affen die herrlichsten Geschöpfe und das "Nachäffen" der Gesellschaft für seine Arbeiten von zentraler Bedeutung.

2007
Am 28. Mai 2007 erlag Prof. Jörg Immendorff einer tödlichen Nervenkrankheit, an der er bereits seit 1997 litt.

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Ludwig Kleebolte

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